Wie eine inspirierende Lerngemeinschaft entsteht: Erster Durchgang 2018/19 abgeschlossen

Die Teilnehmenden und das ReferentInnenteam feierten Ende Oktober 2019 den Abschluss des ersten Weiterbildungsdurchgangs. (Text und Bild: Petra Häfner)

 „Ich bin immer erfüllter und gekräftigter aus den Seminaren rausgekommen, als ich reingegangen war“, sagt Birgit Keßner-Schulz mit einem Lächeln. Die Grundschullehrerin ist eine von insgesamt 15 TeilnehmerInnen, die den ersten Durchgang der Weiterbildung „Die Kunst biografischen Arbeitens“ 2018/19 absolvierten. Stärkende Selbsterfahrung passiert fast automatisch, wenn man Biografiearbeit erlernt. Das berichtet auch die Teilnehmerin Esther Stüve, die als Sozialpädagogin tätig ist: „Gelebtes Leben sortiert und verbindet sich, auf einer neuen Ebene erwächst Sinnhaftigkeit. Horizont und Lebensraum weiten sich, Biografiearbeit wird zum Weg und auch zur Antwort. Eine wertvolle und elementare Erfahrung, die viele Menschen im Erleben biografischen Arbeitens beschreiben und teilen.“

Darüber hinaus trägt die Weiterbildung zur Professionalisierung von arbeitsfeldbezogener Biografiearbeit bei. In den insgesamt sechs Modulen reflektieren Teilnehmende und ReferentInnen immer wieder gemeinsam die vermittelten Theorieansätze und angewandten Methoden für die einzelnen Anwendungsfelder der Teilnehmenden. Im Zentrum steht die individuelle Entwicklung von Menschen im Kontext ihrer Zeitgeschichte sowie die Reflexion zu Lebensdeutung und –gestaltung, vor dem Horizont unterschiedlicher Menschenbilder. Cornelia Stettner, Leiterin des Instituts Biografiearbeit freut sich: „Uns ist es gelungen, in der Weiterbildung unsere Erfahrung und unser Wissen aus fast 15 Jahren Biografiearbeit zu verdichten. Gleichzeitig bleiben wir mit unserem Angebot anschlussfähig an neue Theorieansätze und entwickeln immer wieder neue Methoden.“ Im Laufe der anderthalbjährigen Weiterbildung entstand eine inspirierende und wertvolle Lerngemeinschaft. Lenore Wesely, Religionspädagogin, schätzte „die Kreativität, die sorgfältige Vorbereitung, die Theorie und den wertschätzenden Umgang miteinander – das war sehr besonders für mich.“


15 Teilnehmende – das bedeutet eine Mannigfaltigkeit an Anwendungsfeldern. Das zeigt sich auch in den Projektarbeiten, die die TeilnehmerInnen im Abschlussmodul am 25. und 26. Oktober 2019 präsentierten. Über eine Begegnung mit dem eigenen 20-jährigen Ich, über die gesellschaftspolitische Bedeutung von Erinnern und Vergessen, über einen Nachmittag im Gefängnis mit Insassen und ihren Partnerinnen zum Thema „Danke sagen“, über ein zweiwöchiges Projekt mit Viertklässlern, die zum Abschluss ihrer Grundschulzeit Erinnerungskisten bauten. Und und und. Die intensive Auseinandersetzung mit ihren Themen war für die Teilnehmenden eine Bereicherung, wie Esther Stüve treffend beschreibt: „Das Entdecken, Kennenlernen und Vertiefen der Kunst des biografischen Arbeitens hat nicht nur meinen beruflichen Horizont erweitert und meine Fachkompetenz gestärkt. Biografisches Arbeiten, biografisches Hören, Sehen und Verstehen ist zu einer ganz persönlich wertvollen, verändernden, beglückenden und lebensfördernden Entdeckung und Haltung geworden.“

Die Kunst biografischen Arbeitens

Eine Weiterbildung zu Theorie und Handwerk der Biografiearbeit

Biografiearbeit wird  angesichts gesellschaftlicher Veränderungen bedeutsamer. Lebensgestaltung und -deutung sind zu einer persönlichen Aufgabe für den einzelnen Menschen geworden: Freiheit und Herausforderung zugleich. Sie stellt den Einzelnen mit seinen historischen und sozialen Kontexten in den Mittelpunkt. Biografisches Arbeiten stärkt das Selbst-Verständnis, hilft, sich als zusammenhängendes Ich zu erfahren, und unterstützt den Umgang mit Lebensbrüchen. Dabei ermöglicht sie, die Beziehung zu anderen und zur Welt bewusst und verantwortlich zu gestalten und Sinn-Zusammenhänge herzustellen.
 

Die Weiterbildung ermöglicht,

  • biografisches Arbeiten im eigenen Anwendungsfeld professionell und kreativ einzusetzen,
  • spezifische Arbeitsweisen, Haltungen und Methoden einzuüben,
  • theoretische Konzepte und eigene Erfahrungen mit Methoden biografischen Arbeitens zu reflektieren, um sie fachlich fundiert und persönlich sensibel in Gruppen und mit Einzelnen anzuwenden.

Arbeitsweise und Zertifikat

Die sechs Module der Weiterbildung führen in die Theorie und Praxis von Biografiearbeit, vor dem Horizont unterschiedlicher Menschenbilder, ein. Sie machen die „Kunst des biografischen Arbeitens“ in ihrer Tiefe und Bedeutung transparent. Im Zusammenspiel von theoretischen und praktischen Übungen erarbeiten wir gemeinsam die jeweiligen Themenfelder. Die angewandten und reflektierten Methoden dienen dazu, das „Handwerk“ für die eigene Praxis zu erlernen. Durch die Beschäftigung mit unserem Ansatz des biografischen Arbeitens bildet sich im Umgang mit Theorie, Methodik und Anwendung auch eine angemessene Haltung heraus, um die „Kunst biografischen Arbeitens“ zu entfalten.

Die Kursgruppe besteht aus maximal 14 Teilnehmenden. Die konstante Gruppe bietet einen vertrauensvollen Rahmen für gemeinsames Lernen.

Die Weiterbildung kann mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Voraussetzung dafür sind eine schriftliche Projektskizze/-arbeit und die Teilnahme an fünf von sechs Modulen. Die Projektskizze/-arbeit ist am Ende der Weiterbildung anzufertigen und unterstützt den Transfer in das jeweilige Arbeitsfeld.

Informationsabend und Module

Informationsabend
Konzept - Schwerpunkte - Fragen
Freitag | 17. September 2021 | 17.00 - 19.00 Uhr

Ich bin ich und ein Kind meiner Zeit
Die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung
biografischen Arbeitens
Freitag | 05. November 2021 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 06. November 2021 | 9.30–16.30 Uhr


Daran habe ich lange nicht mehr gedacht
Methodenwerkstatt zur Biografiearbeit
Freitag | 17. Dezember 2021 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 18. Dezember 2021 | 9.30– 16.30 Uhr

 

Vom Leben mit Brüchen
im Horizont reflektierter Menschenbilder
Freitag | 04. Februar 2022 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 05. Februar 2022 | 9.30–16.30 Uhr

 

Komm erzähl mir was, plauder auf mich ein“
Biografische Kommunikation anregen, verstehen und steuern
Freitag | 18. März 2022 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 19. März 2022 | 9.30–16.30 Uhr


Im Lebensfluss
Gesundheit – Krankheit – Biografie
Freitag | 29. April 2022 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 30. April 2022 | 9.30–16.30 Uhr

 

Die Kunst biografischen Arbeitens
Miteinander reflektieren – voneinander profitieren – gemeinsam feiern
Freitag | 24. Juni  2022 | 11.00–18.00 Uhr
Samstag | 25. Juni 2022 | 9.30–16.30 Uhr

 

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Modulen finden Sie hier!

Adressaten und Anwendungsfelder

Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die hauptberuflich oder ehrenamtlich in sozialen, pädagogischen, theologischen oder künstlerischen Arbeitsfeldern tätig sind und biografisches Arbeiten schon anwenden oder einbeziehen wollen.

 

 

Biografiearbeit und das Einnehmen einer biografischen Perspektive bereichern viele Arbeitsfelder wie Erwachsenenbildung, Frauen- und Seniorenarbeit, generationsübergreifende und zeitgeschichtliche Projekte, Beratung und Ausbildung, Besuchsdienstarbeit und Pflege. Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch das biografische Arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Migranten.

Kosten und Anmeldung

Kosten

Die Kursgebühr für 6 Module beinhaltet schriftliches Kursmaterial, kalte und warme Getränke sowei Gebäck für die kleinen Pausen.
Gesamt 975  / 790 Euro (Für Mitarbeitende, die ausschließlich ehrenamtlich tätig sind und Studierende gilt der ermäßigte Preis.)

Abbuchung
50% der Kursgebühr werden jeweils im Dezember 2021 und Juni 2022 abgebucht.

Die Gebühr für den Informationsabend beträgt 10,00 Euro.

 

Anmeldung

  • Informationsabend
    Freitag | 17. September 2021 | 17.00 - 19.00 Uhr
     
  • Die Kunst biografischen Arbeitens
    Eine Weiterbildung zu Theorie und Handwerk der Biografiearbeit
    November 2021 - Juni 2022
    Weitere Infos / Anmeldung nur nach Teilnahme am Informationsabend möglich

Veranstalter

Institut Biografiearbeit
im forum erwachsenenbildung – evangelisches bildungswerk nbg. e.V.
in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk Bamberg e. V.

 

 

 

 

 

Kontakt

Cornelia Stettner
Diakonin
Pädagogische Leitung
Supervisorin EASC
Geschäftsführerin

Telefon: (0911) 214-2132
E-Mail: cornelia.stettner@elkb.de